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Donnerstag 07. Dezember 2017 09:06Alter: 8 days
/ Kategorie: Europa

Beratung auf dem Weg zur Frau

In Ohrid (Makedonien) hat die Evangelisch-methodistische Kirche eine Beratungsstelle für Roma-Mädchen aufgebaut. Nach einer Probephase und einer Zeit der Auswertung bietet diese Einrichtung nun wieder wertvolle Hilfe und Beratung auf dem Weg zur Frau.

Begleitung, auch wenn der Weg manchmal steinig ist...

Roma-Mädchen, die entweder schon in der Pubertät sind oder in die Pubertät kommen, sind mit hormonell bedingten Veränderungen konfrontiert, über die sie mit ihren Eltern oft nicht sprechen können. Dies hat für die Mädchen bleibende Folgen; insbesondere dann, wenn sie auch noch viel zu früh in eine Ehe gedrängt werden und – selber noch Kinder – Mütter werden. Sie sind nicht reif, um Kinder zu erziehen, und haben keine Ahnung, wie sie für sie sorgen sollen. Auf diesem Hintergrund wurde die Beratungsstelle der EMK in Ohrid aufgebaut – mit dem Ziel, die Denkweise von Roma-Mädchen im Blick auf Kinderehen zu ändern und ihren Blick auf Ausbildung und eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunft zu lenken.

 

In der viermonatigen Probephase bot ein aus einer Krankenschwester, einer Seelsorgerin und freiwilligen Helferinnen bestehendes Team Roma-Mädchen einerseits zweimal wöchentlich ein Bildungs- und Beratungsprogramm, in dem verschiedene Themen zur Sprache kamen. Zum Teil waren diese Themen auch von den Mädchen selber eingebracht worden, was einen engen Lebensbezug sicherstellte. Ergänzt wurde dieses so sorgfältig vorbereitete wie flexible Programm durch einen Sozialdienst und eine individuelle medizinische sowie seelsorgerliche Begleitung.

 

Die ersten Erfahrungen zeigten, dass die Einladungsflyer unter den Roma-Mädchen zunehmende Beachtung fanden, und dass die Unterrichtseinheiten, die teilweise von eigens hinzugezogenen Spezialistinnen durchgeführt worden waren, sehr wertvoll waren. Die Kommunikation mit den Mädchen hingegen gestaltete sich anfänglich ziemlich schwierig. Themen wie Menstruationszyklus, Genital-Hygiene, Pilzinfektionen und durch Sexualkontakte übertragene Krankheiten, aber auch die hormonell bedingten Veränderungen des Körpers, der Denkweise und des Verhaltens junger Mädchen waren den Teilnehmerinnen eher peinlich, und es dauerte eine ansehnliche Zeit, bis ein Vertrauensverhältnis aufgebaut war, das mehr zuliess als ein verlegenes Kichern und Antworten, die sich auf ein Ja/Nein oder eine Kopfbewegung beschränkten.

 

Dann nahm einerseits die Zahl der teilnehmenden Mädchen zu, und es entwickelte sich andererseits eine ermutigende Offenheit, welche Gespräche und Fragen ermöglichte, die in den Herkunftsfamilien ein Tabu waren – beispielsweise über Minderwertigkeitskomplexe, Teenagerdepressionen und die psychische Gesundheit von Mädchen.

 

Ein Themenzyklus war darauf ausgerichtet, den Mädchen Alternativen im Hinblick auf die traditionelle Praxis der Kinderehe aufzuzeigen und insbesondere den Wert der Bildung (auch der universitären!) zu unterstreichen. Dabei wurde auch über die körperlichen und seelischen Folgen zu früh eingegangener Ehen gesprochen – Folgen, die sich auch auf die Kinder auswirken, die solchen Ehen entspringen. In den Gesprächen wurde etwas davon deutlich, wie sehr sich die Mädchen nach besseren Werten für ihr Leben sehnen, wie sehr sie aber auch in ihrer Tradition gefangen sind und unter Druck ihrer Eltern stehen.

 

Zu den ebenfalls angesprochenen Themen gehörte der Bereich des in Roma-Familien weit verbreiteten Suchtmittelkonsums und die schmerzliche Problematik der häuslichen Gewalt. Es war erschreckend, in welchem Mass auch die anwesenden Mädchen von diesen Themen betroffen waren – und es zeigte sich ebenfalls, wie schwierig es ist, ihnen wirklich zu helfen, wenn die Institutionen im Land wenig tun, um die Opfer zu schützen, und wenn die Mädchen zu sehr Angst haben, um gegen Täter in ihren Familien auszusagen. Verständnis, Ermutigung und Liebe ist eines – und das alles haben die Mädchen erfahren. Aber eigentlich bräuchte es mehr…

 

Nach Ablauf der Probephase wurden die Tätigkeit der Beratungsstelle ausgewertet. Es ist schwierig zu sagen, was der gemeinsame Weg mit den Roma-Mädchen langfristig bewirken wird. Sicher sind wertvolle Beziehungen zu den Mädchen entstanden, auf die sich aufbauen lässt. Und deren Rückmeldungen waren eindeutig: Die besprochenen Themen wurden alle als sehr hilfreich bezeichnet, und es wurde auch der Wunsch nach weiteren Treffen und Gesprächen geäussert.

 

Im Dezember 2017 hat die Beratungsstelle nun ihren Dienst wiederaufgenommen, und als Antwort auf eine rege Informationstätigkeit haben sich 18 junge Mädchen gemeldet, die das Angebot gerne nutzen möchten. Die Verantwortlichen werden einen langen Atem brauchen – und Menschen, die die Arbeit mittragen, gerade auch im Gebet. Aber sie sind bereit, sich dafür einzusetzen, dass der Weg der Roma-Mädchen zur Frau auch ein Weg in eine verheissungsvolle Zukunft sein kann.

 

Quelle: Julijana Mileska, Ohrid / Christina Cekov, Strumica / Urs Schweizer, Zürich


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