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Mittwoch 12. Juli 2017 06:05Alter: 12 days
/ Kategorie: Europa

Hilferuf der Helfenden

Seit Anfang Jahr sind gemäss offiziellen Zahlen 76'873 Migranten in italienischen Häfen angekommen – 13,42% mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Ungefähr jeder Achte ist ein unbegleiteter Minderjähriger. Andererseits haben 4'733 Menschen beim Versuch der Mittelmeerüberquerung ihr Leben verloren. Nun hat der Bund Evangelischer Kirchen in Italien einen Hilferuf ausgesandt.

In einem Schreiben an die ökumenischen Partner in Europa unterstreicht der Bund Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI), dass die Unterbringung der über das Mittelmeer angekommenen Migranten das Land vor enorm grosse Herausforderungen stelle – und dies nicht nur kurzfristig: Gemäss Dubliner Übereinkommen müssten die Migranten während der gesamten Zeit des Rechtsverfahrens im Ankunftsland bleiben, auch wenn sie Familien, Verwandte oder Bürgen in anderen europäischen Ländern hätten.

 

Die Mitgliedskirchen des FCEI engagierten sich aktiv für offene Türen und Herzen für diese Menschen, aber sie täten dies in einem gesellschaftlichen Klima zunehmender Spannungen und wachsenden Misstrauens. «Wie in anderen Ländern werden auch in Italien jene, welche Migranten helfen, beschuldigt, die nationalen Interessen zu verraten – dies in einer Zeit einer anhaltenden Wirtschaftskrise und einer hohen Arbeitslosigkeit (die mehr als 10% der erwerbstätigen Bevölkerung unseres Landes und 40% der Jugendlichen betrifft).» Fremdenfeindliche Kräfte brächten die Forderung ein, die italienischen Häfen für jene Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu schliessen, die sich im Mittelmeer an der Rettung tausender Schiffbrüchiger beteiligten. Der FCEI fordert deshalb: «Damit wir weiterhin wirksam unseren Dienst für Migranten tun können, müssen den Wellen nationalistischer Fremdenfeindlichkeit Einhalt geboten werden, die unsere politische Debatte vergiften.» Angesichts der grossen Herausforderungen sei auch europäische Hilfe und die Unterstützung der kirchlichen Partner in Europa notwendig.

 

Es gehe einerseits darum, die weltweite Migration zu einem prioritären Anliegen zu machen – und zwar in den sendenden wie in den empfangenden Ländern, aber ganz besonders auch auf der weltweiten Ebene der UNO. Auch ein umfassendes Überdenken der Kriterien für einen humanitären Schutz der Opfer des Klimawandels, des Menschenhandels und der religiösen Intoleranz wäre gemäss dem FCEI dringend notwendig.

 

Der FCEI weist andererseits aber auch darauf hin, dass gerade in dieser Zeit grosser Herausforderungen der erste Versuch eines «Humanitären Korridors» auslaufe. Evangelische Kirchen, darunter auch die Italienische Methodistenkirche, hatten dafür gesorgt, dass 1'000 Menschen direkt aus ihrem Land nach Italien reisen konnten, um dort für eine erste Zeit der gesellschaftlichen Integration Unterstützung zu erhalten. Kirchliche Partner in anderen Ländern wären ermutigt worden, dieses Modell in ihren jeweiligen Kontexten umzusetzen. Als Folge davon würde der Bund Evangelischer Kirchen in Frankreich (FPF) in den nächsten Tagen die erste Gruppe von Flüchtlingen aus dem Libanon in Empfang nehmen.

 

Der FCEI macht deutlich, dass es nicht damit getan ist, den überaus engagierten Kirchen und Organisationen in Italien finanzielle Mittel für ihren Dienst zur Verfügung zu stellen. Es geht auch darum, in den verschiedenen europäischen Ländern politischen Druck auszuüben und neue Wege zu gehen. So bittet der FCEI um Unterstützung…

…im Hinblick auf eine sofortige Umsetzung des EU-Umsiedlungsprogramms.

…hinsichtlich einer Haltung der Solidarität und Lastenteilung gegenüber den südeuropäischen Ländern Italien, Spanien, Griechenland und Malta.

…durch die Umsetzung von Programmen für Migranten, die in Situationen grosser Gefahr und Verletzlichkeit internationalen Schutz und prioritäre Zufluchtswege benötigen – dies nach dem Vorbild des «Humanitären Korridors».

…durch die Gewährung zeitlich befristeter Visa für Migranten, die von internationalen, auf dem Mittelmeer tätigen NGOs gerettet worden sind.

…im Hinblick auf die Finanzierung von Programmen in Italien und anderen südeuropäischen Ländern, deren Ziel eine erste Unterkunft und Integration von Migranten ist.

 

Der Brief des FCEI schliesst mit einem Dank für die bisherige Unterstützung, mit einer Bitte um Gebete und mit der Hoffnung auf ein tatkräftiges Engagement vieler.

 

Quelle: www.fcei.it / www.leuenberg.eu 


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